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Bobo der Siebenschläfer

Bobo der Siebenschläfer

Tief im Großen Schlafwald soll ein winziges Tier wohnen, das fast immer schläft — aber wenn es wach ist, der fröhlichste Freund der Welt ist!

Firlefanz wachte auf und hörte etwas Seltsames. Ganz leise, fast unhörbar, tönte ein winziges Schnarchen durch das offene Fenster. "Was war das?", fragte er sich und rieb sich die Augen. Irgendwo da draussen schlief jemand noch — und das klang sehr, sehr gemütlich.

In der Küche frühstückte Firlefanz Brot mit Honig und trank einen warmen Kamillentee. Er hatte von einem kleinen Tier gehört, das tief im Großen Schlafwald wohnte: Bobo, der Siebenschläfer. Bobo schlief angeblich dreihundert Tage im Jahr — und wenn er wach war, war er der fröhlichste Freund der Welt.

Firlefanz rannte zu Papalapapp. Der sass auf der Veranda und trank seinen Morgenkaffee. "Papalapapp, kennst du Bobo den Siebenschläfer?" Papalapapp schmunzelte. "Bobo! Natürlich! Ein herziger Kerl, wenn er nicht gerade schläft. Er wohnt im Großen Schlafwald, weit, weit weg." Er stand auf. "Ich komme mit!"

Firlefanz packte alles ein: den warmen Mantel, die festen Stiefel, den Wanderstock und den Hut mit der roten Feder. Papalapapp nahm seinen Rucksack und steckte Nüsse, Beeren und zwei weiche Decken ein. "Für Bobo", sagte er und zwinkerte.

Sie zogen los. Über sieben Meere, sieben Wüsten, sieben Berge, sieben Flüsse und sieben dichte Wälder. Immer tiefer gingen sie, bis die Bäume riesig wurden und das Blätterdach das Sonnenlicht in tausend goldene Punkte zerstreute. Die Luft roch nach Moos, Beeren und Harz.

Dann standen sie vor dem Großen Schlafwald. Alles war still hier. Die Blätter rauschten kaum, und selbst die Vögel sangen nur ganz leise. Zwischen den Wurzeln einer uralten Eiche entdeckte Firlefanz ein winziges Häuschen. Die Vorhänge waren zugezogen. Davor stand ein kleines Schild: "Bitte leise! Schlafzeit!"

Firlefanz klopfte ganz sanft. Einmal. Zweimal. Dreimal. Dann bewegte sich ein Vorhang. Heraus kam ein winziges, flauschiges Wesen mit grossen Knopfaugen und einem buschigen Schwanz — etwas zerzaust vom Schlafen, aber mit einem sofortigen Lächeln. "Oh! Besuch! Ich bin Bobo!", piepste es.

Bobo zeigte ihnen alles. Er hatte ein gemütliches Bett aus Moos und Blättern, einen Schrank voller Nüsse und eine kleine Lampe, die sanft wie ein Glühwürmchen leuchtete. "Ich schlafe meistens", gestand Bobo, "aber wenn ich wach bin, sammle ich Nüsse, tanze unter den Bäumen und schaue den Sternen beim Erscheinen zu."

Sie sassen zusammen unter der grossen Eiche. Bobo tanzte in kleinen Kreisen und lehrte Firlefanz, wie man Muster in das weiche Moos malt. Dann spielten sie Nüsse-Werfen, bis die Sonne tiefer stand und Bobo die Augen wieder klein wurden.

"Ich muss gleich wieder schlafen", gähnte Bobo, "aber heute war der schönste Wachtag seit langer Zeit." Er kramte in seinem Schrank und holte zwei Nüsse heraus. "Für euch. Wenn ihr sie ans Ohr haltet, hört ihr das Rauschen des Schlafwaldes — und dann kommt der Schlaf ganz von alleine."

Firlefanz und Papalapapp verabschiedeten sich von Bobo mit einer grossen Umarmung. "Kommt wieder, wenn ihr müde seid", flüsterte Bobo und gähnte ein letztes Mal. Dann verschwand er in seinem kleinen Häuschen und zog die Vorhänge zu. Bald tönte von drinnen wieder ein zufriedenes, leises Schnarchen.

Auf dem langen Heimweg hielt Firlefanz seine Nuss ans Ohr. Ein leises Rauschen — wie Wind durch Blätter, wie sanftes Summen, wie ein Schlummerlied. Als die Beine zu müde wurden, hob Papalapapp ihn auf seinen Rücken. "Danke, Papalapapp", murmelte Firlefanz. Und so schaukelte er heimwärts, die Augen halb zu, die Nuss fest in der Faust — bis er einschlief, mit einem Lächeln, sanft wie ein Siebenschläfer.