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Das Kloster in den Wolken

Das Kloster in den Wolken

Hoch über den höchsten Bergen, wo die Wolken wohnen, soll ein goldenes Kloster liegen. Firlefanz will unbedingt dorthin!

Firlefanz wachte auf und schaute aus dem Fenster. Ganz weit weg, über den höchsten Bergen, schimmerte etwas golden in der Morgensonne. "Was ist das?", fragte er sich. "Da oben muss etwas Wunderbares sein!"

In der Küche ass Firlefanz einen Teller Haferbrei mit Beeren. Während er löffelte, dachte er an das goldene Leuchten. Man sagte, hoch oben in den Bergen, wo die Wolken wohnen, stehe ein uraltes Kloster. Dort lebten weise Mönche, die jeden Morgen für die Berge sangen.

Firlefanz rannte zu Papalapapp. Der sass am Küchentisch und trank seinen Morgenkaffee. "Papalapapp, kennst du das goldene Kloster über den Bergen?" Papalapapp stellte die Tasse ab und nickte. "Das Himmelskloster! Sehr weit weg, ganz oben. Die Mönche dort singen so schön, dass man es bei Windstille sogar hier hören kann." Er stand auf. "Ich komme mit!"

Firlefanz packte alles ein: den warmen Mantel, die festen Stiefel, den Wanderstock und den Hut mit der langen Feder. Papalapapp warf seinen Rucksack über die Schulter und steckte Brot, Käse und eine Flasche Tee ein. "Hohe Berge machen hungrig", sagte er.

Sie wanderten los. Über sieben Meere, sieben Wüsten, sieben Flüsse, sieben Wälder und sieben mächtige Gebirge. Immer höher stiegen sie. Die Luft wurde kühler und stiller, die Felsen riesiger. Und über allem lag eine tiefe, friedliche Ruhe.

Dann sahen sie es: Hoch oben, wo die Wolken die Berggipfel küssten, leuchtete das Himmelskloster golden in der Abendsonne. Bunte Fahnen flatterten im Wind, und ganz leise, von sehr weit oben, trugen die Berge einen tiefen, ruhigen Gesang herunter.

Am Tor des Klosters empfing sie ein kleiner Mönch mit einem orangefarbenen Gewand und einem breiten Lächeln. Er hiess Tenzin. "Willkommen am Dach der Welt", sagte Tenzin und verbeugte sich tief. "Wir freuen uns über jeden Gast, der den langen Weg zu uns findet."

Tenzin führte sie durch das Kloster. Überall hingen bunte Gebetsfahnen, die leise im Wind klangen. Grosse Glocken schaukelten an den Decken. "Jeden Morgen singen wir", erklärte Tenzin, "damit die Berge wissen, dass sie geliebt werden. Dann stehen sie ganz ruhig und lassen uns sicher hier oben wohnen."

Am Abend sassen alle zusammen im grossen Saal. Die Mönche begannen zu singen — ein tiefer, ruhiger Klang, der durch die Steinmauern hallte und die Fenster leise zittern liess. Firlefanz schloss die Augen und horchte. Das Singen legte sich wie eine warme Decke um seine Schultern.

Tenzin schenkte ihnen Buttertee ein, warm und ein bisschen salzig. Firlefanz trank einen vorsichtigen Schluck — und dann noch einen. Draussen wurden die Sterne immer heller. Von hier oben, über allen Wolken, waren sie zum Greifen nah.

Am nächsten Morgen verabschiedeten sich Firlefanz und Papalapapp von Tenzin und den Mönchen. "Kommt wieder", sagte Tenzin und drückte jedem eine kleine rote Gebetsfahne in die Hand. "Sie bringt euch ruhige Träume, wo immer ihr seid."

Auf dem langen Heimweg trug Firlefanz seine Gebetsfahne ganz behutsam. Der Gesang der Mönche klang noch in seinen Ohren. Als die Beine zu müde wurden, hob Papalapapp ihn auf seinen Rücken. "Danke, Papalapapp", murmelte Firlefanz. Und ganz leise, halb im Schlafen, summte er die Melodie der Bergmönche — bis er einschlief, mit einem Lächeln auf dem Gesicht und der roten Fahne fest in der Hand.