← Alle Geschichten

Firlefanz und das Nordlicht

Firlefanz und das Nordlicht

Ganz oben im Norden tanzen bunte Lichter über den Himmel — doch seit vielen Wintern sind sie dunkel. Firlefanz reist ans Dach der Welt, um das Nordlicht wieder zu wecken.

Als Firlefanz die Augen aufschlug, war der Morgen grau und still. In der Nacht hatte es keinen Stern gegeben — nur Dunkelheit. Er kuschelte sich in die Decke und dachte an eine alte Geschichte: Ganz oben am Ende der Welt tanzen Lichter über den Himmel, hatte Papalapapp erzählt. "Solche Lichter", flüsterte er, "die möchte ich so gern einmal sehen."

In der Küche löffelte Firlefanz warmen Milchbrei mit Honig und wärmte die Pfoten an einer Tasse Kakao. Draußen lag der Himmel blass und kalt. Wie die tanzenden Lichter wohl aussahen? Grün vielleicht? Oder rosa wie Abendwolken? "Vielleicht weiß Papalapapp mehr", dachte er.

Papalapapp saß auf der Veranda beim Morgenkaffee. "Die tanzenden Lichter? Das ist das Nordlicht." "Hoch im Norden lebt Lumi, ein großer Lichterfuchs. Streicht er mit dem Schweif über den Himmel, sprühen tausend Farben. Doch seit vielen Wintern ist sein Feuer eingeschlafen." "Kann man ihn wecken?", fragte Firlefanz. "Das größte Licht beginnt mit dem kleinsten Funken", lächelte Papalapapp. "Komm, wir versuchen es."

Firlefanz zog sich warm an: dicke Jacke, wolliger Schal, feste Stiefel, Zipfelmütze und Wanderstock. Papalapapp nahm einen runden Stein vom warmen Ofen, wickelte ihn in Wolle und legte ihn Firlefanz in die Pfoten. Der Stein glühte sanft und war wohlig warm. "Damit du immer ein kleines Licht bei dir hast", sagte er.

Dann zogen sie los, weit nach Norden. Über sieben gefrorene Meere, sieben Schneewüsten, sieben Berge aus Eis und sieben weiße Wälder. Mit jedem Schritt wurde es kälter und dunkler. Die Sonne sank tief, und der Himmel wurde tintenblau. Doch Firlefanz hielt seinen warmen Stein an die Brust. "Es ist nie ganz dunkel", dachte er, "solange man ein kleines Licht bei sich trägt."

Endlich standen sie am Dach der Welt. So weit das Auge reichte: Schnee und Eis, still und glitzernd unter tausend Sternen. Über ihnen war der Himmel schwarz und leer. Kein Licht tanzte dort oben. Schön war es — und ein wenig einsam. Da entdeckte Firlefanz eine Höhle aus blauem Eis. Etwas Großes schlief darin, tief und still.

Vorsichtig traten sie näher. In der Höhle lag ein riesiger Fuchs, zusammengerollt wie ein schlafender Berg. Sein Fell war grau und matt, seine Nase kalt. "Das ist Lumi", flüsterte Papalapapp. "Sein Feuer ist fast erloschen." Der große Fuchs fror sehr. Da wusste Firlefanz, was zu tun war.

Firlefanz drückte seinen warmen Stein in Lumis weiches Fell und wärmte den großen Fuchs mit seinen Armen. Langsam begann etwas zu leuchten. Erst ein winziger Funke. Dann ein warmes Glimmen, das durch Lumis Fell lief wie ein Lächeln. Der Fuchs öffnete die Augen. "Wer hat mich gewärmt?", brummte er sanft. "So klein — und so warm."

Lumi stand auf und reckte sich. Sein Fell leuchtete in Grün und Gold. Er holte tief Luft — und strich mit seinem großen Schweif über den Himmel. Und der Himmel erwachte! Bänder aus Grün, Rosa und Violett tanzten über die ganze Welt. Der Schnee schimmerte in tausend Farben. Firlefanz und Papalapapp hielten den Atem an. So etwas Schönes hatten sie noch nie gesehen.

"Komm", lachte Lumi und ließ Firlefanz auf seinen Rücken klettern. Gemeinsam schwebten sie hinauf in die tanzenden Lichter. "Streich mit der Pfote", sagte Lumi. Firlefanz traute sich — und ein zartes grünes Band legte sich an den Himmel. Sein ganz eigenes Licht. Tief unten tanzten kleine Schneewesen im bunten Schein.

Als es Zeit war zu gehen, senkte Lumi seinen Kopf nah zu Firlefanz. "Dein grünes Band bleibt für immer hier oben", sagte er leise. "Wann immer das Nordlicht tanzt, tanzt ein Stück von dir mit." Den Heimweg gingen sie durch eine Nacht voller Farben. Der Himmel leuchtete sie sanft nach Hause.

Müde und glücklich kuschelte sich Firlefanz in sein warmes Bett. Den runden Stein hielt er fest in den Pfoten. Als er aus dem Fenster schaute, schimmerte ganz fern ein zartes grünes Leuchten. Lumi sagte gute Nacht. "Auch im dunkelsten Dunkel wohnt ein kleines Licht", flüsterte Firlefanz. "Und manchmal weckt das kleinste Licht das allergrößte." Dann schlief er glücklich ein.