← Alle Geschichten

Firlefanz und der Glasstrand

Firlefanz und der Glasstrand

An einem mystischen Strand leuchten bunte Glassteine im Sand. Firlefanz macht sich auf den Weg — und trifft dort den besonderen Fisch Axelotel!

Firlefanz wachte auf und schaute zum Himmel. Heute war das Licht irgendwie anders — golden und glitzernd, als wäre die Luft selbst aus buntem Glas. Er hatte von einem Strand geträumt. Keinem gewöhnlichen Strand — sondern einem, wo das Meer bunte Glassteine ans Ufer spülte. Grün, blau, orange und rosa, alle rund und glatt geschliffen. Firlefanz setzte sich auf. "Ich muss dorthin", flüsterte er.

Beim Frühstück aß Firlefanz ein Honigbrötchen und trank warme Milch mit Zimt. Er dachte die ganze Zeit an die bunten Steine. Wie würden sie sich wohl anfühlen? Kühl und glatt in der Hand? Oder warm von der Sonne? Er konnte es kaum erwarten, es herauszufinden.

Firlefanz lief zu Papalapapp. Der saß vor seinem Haus und trank Kaffee. "Papalapapp, kennst du den Glasstrand? Den mystischen Strand mit den bunten Glassteinen?" Papalapapp lächelte und nickte langsam. "Oh ja. Er liegt weit, weit weg — hinter sieben Meeren und noch viel weiter." Er stellte seine Kaffeetasse ab. "Ich komme mit."

Firlefanz zog sich für die Reise an: den grünen Hut, die festen Stiefel, die warme Jacke und den Wanderstock. "Vergiss deine Tasche nicht", sagte Papalapapp. "Für die Steine." Firlefanz griff nach seinem kleinen Beutel aus blauem Stoff. Der war genau richtig zum Steinsammeln.

Sie machten sich auf den Weg. Über sieben Meere, auf denen die Wellen wie Glasperlenketten glitzerten. Über sieben Wüsten, wo der Sand in der Sonne wie goldener Staub leuchtete. Über sieben Berge, sieben Flüsse, sieben dichte Wälder und sieben weite Ebenen. Je weiter sie gingen, desto mehr roch die Luft nach Salz und etwas Geheimnisvollem — süß und kühl zugleich.

Dann hörten sie es: das leise Rauschen von Wellen. Und da lag er vor ihnen — der Glasstrand. Der Sand war hell wie Schnee, und überall dazwischen lagen Steine — rot, grün, blau, gelb, lila und orange. Rund und glatt, wie kleine Bonbons aus Glas. Im Sonnenlicht leuchteten sie wie Edelsteine. Firlefanz hielt den Atem an. Es war das Schönste, was er je gesehen hatte.

Firlefanz kniete sich in den weichen Sand und begann zu sammeln. Er nahm einen grünen Stein — kühl und glatt wie eine Murmel. Dann einen blauen, der fast durchsichtig war. Dann einen orangefarbenen, der in der Sonne leuchtete wie ein kleines Feuer. Papalapapp sammelte ruhig neben ihm. Stein für Stein wanderte in Firlefanz' blauen Beutel.

Plötzlich plätscherte etwas im flachen Wasser. Firlefanz schaute hin. Dort, zwischen den Steinen im Wasser, lag ein kleiner Fisch. Er hatte glänzende Schuppen in allen Regenbogenfarben und große, neugierige Augen. "Hallo", sagte der Fisch. "Ich heiße Axelotel. Schön, dass du die Steine so magst." Er lächelte. "Ich habe sie alle hierher gebracht."

"Du hast sie gebracht?" Firlefanz staunte. Axelotel nickte. "Ich schwimme durch alle Meere und sammle alte Glasstücke vom Meeresboden. Das Meer schleift sie jahrelang rund und glatt — und dann bringe ich sie hierher ans Ufer." "Du schenkst sie jedem, der vorbeikommt?" "Genau", sagte Axelotel fröhlich. "Das Meer macht sie schön. Ich teile sie weiter."

Axelotel tauchte tief und brachte immer wieder neue Steine ans Ufer. Er kannte jeden Stein und wusste genau, welche Farbe Firlefanz als Nächstes freuen würde. Sie verbrachten den ganzen Nachmittag zusammen — sammelnd, erzählend, lachend. Papalapapp baute aus den größten Steinen einen kleinen Turm am Ufer.

Als die Sonne tiefer sank und das Meer golden wurde, war es Zeit zu gehen. "Danke, Axelotel", sagte Firlefanz leise. "Das war der schönste Tag." Axelotel winkte mit seiner Flosse. "Wann immer du einen meiner Steine anschaust, denk daran: Irgendwo im Meer schwimme ich und denke an dich, mein Freund."

Den Heimweg gingen sie leise, über sieben Ebenen, sieben Wälder, sieben Flüsse, sieben Berge, sieben Wüsten und sieben Meere. Als Firlefanz in seinem Bett lag, stellte er seine schönsten Steine auf das Fensterbrett: einen grünen, einen blauen und einen orangefarbenen. Im Mondlicht leuchteten sie sanft. Firlefanz schloss die Augen und dachte an Axelotel — irgendwo da draußen im großen Meer. Dann schlief er ein, friedlich und glücklich.