← Alle Geschichten

Firlefanz und der Postbote des Windes

Firlefanz und der Postbote des Windes

Mitten in der Nacht flattert ein alter Brief durch Firlefanz' Fenster. Wem mag er wohl gehören?

Als Firlefanz an diesem Morgen die Augen öffnete, flatterte etwas leise durch sein offenes Fenster. Es war ein altes, gelbliches Blatt Papier, das sanft auf seiner Decke landete. Vorsichtig nahm er es in die Pfoten. Es war ein Brief — fein beschrieben, mit einem kleinen Wachssiegel. "Wer hat dich denn verloren?", flüsterte Firlefanz.

Beim Frühstück knabberte Firlefanz an einer warmen Hagebuttenschnitte und trank einen Becher Kamillentee. Der alte Brief lag neben seinem Teller und raschelte ganz leise, als spräche er mit dem Wind. Firlefanz musste immerzu daran denken: Wer mag wohl so lange auf diesen Brief gewartet haben?

Firlefanz lief schnell zu Papalapapp hinüber. Der saß auf der Veranda und trank seinen Morgenkaffee. "Schau mal, Papalapapp — dieser Brief ist heute Nacht zu mir geflogen!" Papalapapp betrachtete das Siegel und nickte langsam. "Das ist ein vergessener Brief. Nur Flüster, der Postbote des Windes, kann uns sagen, wem er gehört. Komm, wir suchen ihn."

Firlefanz holte seinen weichen Reisemantel, festen Stiefel, Wanderstock und kleinen Rucksack. Papalapapp setzte seinen breiten Hut auf und steckte einen Beutel mit Apfelkuchen für unterwegs ein. Den alten Brief wickelte Firlefanz in ein Tuch und legte ihn in seinen Rucksack. Dann winkten sie ihrem Häuschen zum Abschied.

Gemeinsam wanderten sie über sieben Meere, durch sieben Wüsten, über sieben Berge, an sieben Flüssen entlang, durch sieben Wälder, über sieben Brücken und durch sieben windige Täler. Überall, wo sie hinkamen, kitzelte ihnen ein leiser Wind an den Ohren — als würde er ihnen den Weg zeigen.

Endlich erreichten sie einen kleinen, runden Hügel. Oben darauf stand ein winziges Häuschen, an dem überall bunte Briefkästen hingen. Aus der Tür kam ein flauschiges kleines Wesen mit einer schief sitzenden Postbotenmütze und vielen Brieftaschen am Gürtel. "Willkommen!", rief es mit einer hellen, freundlichen Stimme. "Ich bin Flüster, der Postbote des Windes."

Flüster führte sie hinein. Überall stapelten sich vergessene Briefe — manche staubig, manche vergilbt, manche noch fest verschlossen. "Hier sammle ich alles, was der Wind unterwegs verliert", sagte Flüster leise. Firlefanz zog seinen alten Brief hervor. Flüster betrachtete ihn lange. "Oh — der wartet schon sehr, sehr lange. Er ist für Knurr, den alten Leuchtturmwärter am stillen Meer."

Flüster pfiff einen leisen, lustigen Pfiff. Sogleich kam ein freundlicher Wind angeschwebt und hielt vor der Tür an. "Steigt auf!", lachte Flüster. Der Wind hob sie ganz sanft empor, leicht wie Federn. Sie schwebten über Wolken und Hügel, und unter ihnen glitzerte alles im warmen Abendlicht. Firlefanz hielt den Brief ganz fest.

Bald sahen sie einen kleinen, alten Leuchtturm auf einem felsigen Inselchen mitten im stillen Meer. Der Wind setzte sie behutsam vor der Tür ab. Klopf, klopf, machte Firlefanz ganz leise. Heraus kam eine alte, gemütliche Schildkröte mit einer warmen, gestrickten Mütze. "Oh!", rief sie verwundert. "Besuch! Das hatte ich schon ewig nicht mehr."

Firlefanz reichte Knurr den Brief. Der setzte seine kleine Lesebrille auf und las ihn ganz langsam und leise. Dann lächelte er ganz weich. "Das ist von meinem allerbesten Freund, vor langer, langer Zeit. Er wünscht mir alles Gute zum Geburtstag." Eine kleine, glückliche Träne kullerte ihm über die Wange. "Endlich ist er angekommen. Habt vielen, vielen Dank."

Knurr setzte einen Kessel auf und schenkte jedem ein warmes Stück Honigkuchen ein. Sie saßen zusammen auf dem kleinen Balkon des Leuchtturms und sahen den Sternen beim Aufgehen zu. Das Meer lag still wie ein Spiegel. Dann sagte Flüster sanft: "Es ist Zeit, nach Hause zu reisen." Knurr umarmte Firlefanz. "Kommt mich bald wieder besuchen."

Als Firlefanz und Papalapapp wieder in ihrem Garten standen, ging gerade die Sonne unter. Über ihnen leuchteten die ersten Sterne, und ein ganz leiser Wind strich Firlefanz durch die Schuppen — als würde er Danke sagen. Firlefanz gähnte, lehnte sich an Papalapapp und flüsterte: "Was für ein wunderschönes Abenteuer." Dann schlummerte er tief und glücklich ein.