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Die Dracheninsel

Die Dracheninsel

Firlefanz träumt von einer geheimnisvollen Insel im Meer. Dort findet er ein Drachengerippe — und ein glühendes Ei, das ihn durch dunkle Höhlen und leuchtende Pilzwälder begleitet.

Firlefanz wachte auf und rieb sich verschlafen die Augen. Er hatte von einer geheimnisvollen Insel geträumt — weit draußen im Meer, umhüllt von Nebel und Möwengeschrei. Er sprang aus dem Bett. Eine Insel! Heute wollte er sie finden.

Beim Frühstück aß Firlefanz drei Scheiben Honigbrot und dachte die ganze Zeit an die Insel. Würden dort Schätze liegen? Oder geheimnisvolle Tiere? Je mehr er nachdachte, desto aufgeregter wurde sein Herz.

Firlefanz lief zu Papalapapp, der auf der Veranda saß und gemütlich seinen Morgenkaffee trank. "Papalapapp, weißt du, wo es eine geheimnisvolle Insel im Meer gibt?" Papalapapp stellte die Tasse ab. "Die Nebelinsel... sehr weit draußen." Er stand auf und lächelte. "Solche Abenteuer macht man nicht alleine — ich komme mit!"

Firlefanz zog die festen Stiefel an, schnappte sich den Wanderstock und den breiten Hut. Dazu packte er eine leuchtend orangene Schwimmweste ein — sehr wichtig auf dem Meer. Papalapapp wartete schon mit einem langen Ruder an der kleinen Anlegestelle im Dorf.

Sie ruderten und segelten — über sieben glitzernde Meere und sieben schäumende Buchten. Sie fuhren durch sieben hohe Wellen und sieben stille Nebelbänke, durch sieben breite Flussmündungen und sieben spiegelglatte Lagunen. Dann, am Horizont, tauchte ein dunkler Felsen mit einem einzelnen uralten Baum auf — und das war die Nebelinsel.

Sie zogen das Boot an Land und erkundeten die Insel. Da blieb Firlefanz stehen. In einem stillen Tal lag ein riesiges Gerippe — die Knochen eines uralten Drachen, so groß wie ein Schiff. "Ein Drachengerippe", flüsterte Papalapapp ehrfürchtig. Zwischen den großen Knochen lag etwas Rundes, Glänzendes.

Es war ein Ei — so groß wie ein Kürbis, dunkelblau mit goldenen Flecken. Als Firlefanz die Hand darüber hielt, spürte er eine sanfte Wärme. "Jemand muss auf dieses Ei aufpassen", sagte er leise. Er hob es vorsichtig auf und trug es fest in beiden Armen. Es war warm und fühlte sich lebendig an.

Auf dem Weg zurück zum Boot entdeckten sie einen Höhleneingang im Felsen. Drinnen öffnete sich ein riesiger unterirdischer Ozean, so weit das Auge reichte. Das Wasser leuchtete blassblau, und kleine Fischlein mit eigenen Lichtern schwebten darin. Sie fanden ein Felsboot und glitten lautlos darüber hinweg. Firlefanz hielt das Ei fest auf dem Schoß.

Jenseits des Ozeans führte ein Tunnel in eine riesige Höhle. Darin wuchsen Pilze, so groß wie Häuser — leuchtend in Lila, Orange und Grün. Die Pilze glühten sanft wie Laternen und wärmten die Luft. Papalapapp nahm Firlefanz' Hand, und zusammen gingen sie durch das bunte Pilzlicht, bis am Ende ein Schimmer Tageslicht erschien.

Sie stiegen ins Freie — und da stolperte Firlefanz über eine Wurzel! Das Ei flog aus seinen Armen und landete weich im Moos. Ein Riss lief durch die Schale. Dann noch einer. Und dann — zack! — brach das Ei auf. Heraus kroch ein winziger Drache, nicht größer als ein Kätzchen, mit blauen Schuppen und großen, staunenden Augen. Er schaute Firlefanz an und nieselte ein kleines Feuerfünkchen.

"Hallo, Kleiner", sagte Firlefanz ganz leise und streckte die Hand aus. Der kleine Drache schnupperte kurz daran — und legte seinen Kopf hinein. Firlefanz lachte vor lauter Glück. Den ganzen Heimweg saß der Kleine auf Firlefanz' Schulter. Zu Hause rollte der Drache sich auf Firlefanz' Bauch zusammen, und Papalapapp setzte sich daneben. "Manche Freundschaften", flüsterte er, "beginnen noch bevor man sich kennt." Firlefanz schloss die Augen und schlief selig ein.