Firlefanz' Opa Opalapapp kommt zu Besuch — von weit her, hinter sieben Meeren. Gemeinsam gehen sie ihm entgegen und erleben einen Tag voller Geschichten und Umarmungen.
Firlefanz wachte auf und spürte sofort: Heute war ein ganz besonderer Tag. Die Sonne kitzelte seine Nase, und sein Herz machte einen kleinen Freudenhüpfer. Denn heute kam Opalapapp zu Besuch — sein Opa! Opalapapp wohnte weit, weit weg, hinter sieben Meeren, und nur ganz selten machte er sich auf die lange Reise. "Heute", flüsterte Firlefanz und kullerte aus dem Bett. "Heute kommt Opa!"
Beim Frühstück aß Firlefanz ein warmes Honigbrötchen und trank Milch mit Zimt. Doch er war so aufgeregt, dass er kaum schlucken konnte. Wie sah Opalapapp wohl jetzt aus? Hatte er noch seinen weichen Schal und den lustigen Wanderstock? Und welche Geschichten würde er aus den fernen Ländern mitbringen? Firlefanz lächelte. Ein ganzer Tag mit Opa lag vor ihm wie ein eingewickeltes Geschenk.
Schnell lief Firlefanz hinüber zu Papalapapp. Der saß vor seinem Haus und trank in aller Ruhe seinen Morgenkaffee. "Papalapapp! Wann kommt Opa? Können wir ihm entgegengehen?", rief Firlefanz und hüpfte von einem Bein aufs andere. Papalapapp lachte warm. "Opalapapp ist schon seit Tagen unterwegs. Wenn wir ihm entgegengehen, treffen wir ihn bestimmt auf halbem Weg. Komm, zieh dich an!"
Firlefanz zog sich für die große Wanderung an: den grünen Hut, die festen Stiefel, die warme Jacke und den Wanderstock. "Und nimm etwas zu trinken mit", sagte Papalapapp und packte einen Korb mit Brötchen und einer Kanne Tee. "Für Opa, wenn er müde von der Reise ist." Firlefanz nickte eifrig.
Dann machten sie sich auf den Weg, Opa entgegen. Über sieben sanfte Hügel, über sieben kleine Brücken, an sieben raschelnden Feldern vorbei. Und während sie wanderten, stellte sich Firlefanz vor, wie weit Opalapapp schon gereist war: über sieben Meere, sieben Wüsten und sieben Berge, immer weiter, nur um seinen Enkel zu sehen.
Plötzlich blieb Firlefanz stehen. Ganz weit vorne, auf dem Weg, bewegte sich ein kleiner Punkt. Er wurde größer und größer. Ein gemütlicher alter Drache mit silbrig-grünen Schuppen, einer runden Brille auf der Nase und einem langen, weichen Schal kam langsam näher, auf seinen geschnitzten Wanderstock gestützt. "OPA!", rief Firlefanz und rannte los, so schnell ihn seine Beine trugen.
Opalapapp breitete die Arme aus und fing Firlefanz in einer großen, warmen Umarmung auf. Er roch nach fernen Wäldern und nach Zuhause zugleich. "Mein kleiner Firlefanz", sagte Opa mit seiner sanften, brummigen Stimme. "Wie groß du geworden bist!" Papalapapp umarmte seinen Vater, und alle drei lachten vor Glück.
Sie setzten sich ins weiche Gras und machten eine kleine Rast. Opalapapp öffnete seine alte Reisetasche. Darin lag etwas Wunderbares: eine kleine Muschel, die ganz leise das Rauschen aller sieben Meere in sich trug. Firlefanz hielt sie ans Ohr und schloss die Augen. "Die habe ich am fernsten Strand der Welt für dich gefunden", sagte Opa. Firlefanz strahlte über das ganze Gesicht.
Gemeinsam machten sie sich auf den Heimweg. Opalapapp ging in der Mitte, Firlefanz hielt seine eine Hand, Papalapapp die andere. Den ganzen Weg erzählte Opa von seinen Reisen: von singenden Fischen, von Bergen aus Zuckerwatte und von einem Mond, der jeden Abend leise Gute Nacht sagt. Firlefanz lauschte mit weit offenen Augen.
Zu Hause angekommen, machten sie es sich gemütlich. Papalapapp kochte eine dampfende Suppe, und Opalapapp setzte sich in den weichsten Sessel. Firlefanz kuschelte sich an Opas warmen Schal. Draußen wurde es langsam dunkel, und die ersten Sterne blinzelten durch das Fenster.
Am Abend brachte Opalapapp Firlefanz ins Bett. Mit leiser Stimme erzählte er von einem winzigen Stern, der sich verlaufen hatte und von seinen Freunden liebevoll nach Hause gebracht wurde. Firlefanz' Augen wurden schwer. Die kleine Muschel rauschte ganz sanft auf seinem Nachttisch. "Bleibst du noch ein bisschen, Opa?", murmelte er. "So lange du willst", flüsterte Opalapapp. Und Firlefanz schlief glücklich ein.